Monatsprogramm März
folgende Filmreihen werden diesen Monat gezeigt
Her mit dem besseren Leben! – Kino & Migration
gefördert von der SK Stiftung Kultur
Im Herbst II – Die letzten Jahre in der DDR
Cinebrasil - Brasilianisches Filmfest
Zum 100. Geburtstag von Akira Kurosawa
In memoriam: Eric Rohmer
Donnerstag 4.3.2010 20 Uhr
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
Eröffnung mit anschließendem Umtrunk
I MAGLIARI
AUF ST. PAULI IST DER TEUFEL LOS
I/F 1959, s/w, OF, 116 Min., 35mm
Restaurierte Fassung
Regie Francesco Rosi
Buch Francesco Rosi, Suso Cecchi d’Amico, Giuseppe Patroni Griffi, nach einem Stoff von Francesco Rosi Kamera Gianni Di Venanzo Musik Piero Piccioni Darsteller Alberto Sordi, Belinda Lee, Renato Salvatori, Nino Vingelli, Aldo Giuffrè, Aldo Bufi Landi, Nino Di Napoli, Linda Vandal
In Hamburg fällt der italienische ›Gastarbeiter‹ Mario einer Gaunerbande neapolitanischer Stoffhändler in die Hände. Doch auf St. Pauli haben polnische Kleinkriminelle schon das Revier abgesteckt.
»Die eigentlich innovative und vor allem im deutschen Sprachbereich bisher kaum registrierte Leistung des Films aber ist Gianni Di Venanzos Schwarzweißphotographie, die dank der damals ungebräuchlichen Verwendung hochempfindlichen Negativmaterials auch nachts und in Dämmerungsszenen mit dem vorhandenen oder einem Minimum an zusätzlichem Licht auskommt und dadurch in den auf Originalschauplätzen gedrehten Szenen ein hohes Maß an Authentizität ermöglicht.«
ALEXANDER J. SEILER (1983)
Vorfilm
THE IMMIGRANT
USA 1917, s/w, stumm, 20 Min., 16mm
Regie Charles Chaplin
Buch Vincent Bryan, Charles Chaplin, Maverick Terrell Kamera Roland Totheroh Darsteller Charles Chaplin, Edna Purviance, Eric Campbell, Albert Austin, Henry Bergman
Auf einem Schiff in die USA lernt der Tramp Charlie ein Mädchen kennen, das er in einem New Yorker Lokal wieder trifft. Mittellos versucht er, eine Mahlzeit zu ergattern und das Herz des Mädchens zu erobern.
Mit Klavierbegleitung von Daniel Kothenschulte
Einführung Aurora Rodonò
Freitag 5.3.2010 20 Uhr
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
ANAM
D 2001, Farbe, 86 Min., 35mm
Buch & Regie Buket Alakuş
Kamera Marcus Lambrecht Musik Mehmet Ergin Darsteller Nursel Köse, Navid Akhavan, Tayfun Bademsoy, Audrey Motaung, Birol Ünel, Patrycia Ziolkowska
Mit Witz und Dreistigkeit mischt die türkische Putzfrau Anam kräftig den Hamburger Kiez auf und versucht, ihren Sohn aus den Klauen von Drogendealern zu befreien.
»Erst verliert Anam ihren Mann, anschließend das Kopftuch, und die Absätze an den Schuhen gehen auch irgendwann drauf – das alles ist jedoch weit entfernt von platter Symbolik und besticht durch einen differenzierten, für Verständnis und Toleranz werbenden Blick auf eine alle kulturellen Grenzen überschreitende, universell-menschliche Geschichte.« THOMAS WAITZ, SCHNITT (2002)
Vorfilm
LASSIE
D 2003, Farbe, 11 Min., 35mm
Buch & Regie Sinan Akkuş Kamera Fred Schuler Musik Chris Heyne Darsteller Adnan Maral, Hilmi Sözer, Mišel Matičević, Denis Moschitto, Tayfun Bademsoy, Christoph Maria Herbst
In Köln verdienen die drei Ganoven Altan, Montana und Boban ihren Unterhalt mit Schutzgelderpressungen. Auf der Suche nach der besten Kuttelsuppe platzen sie mitten in einen Dreh für eine Dönerbuden-Werbung. Mit von der Partie: Montanas Hund Lassie, der Leben retten kann.
Zu Gast: der Filmemacher Sinan Akkuş
Samstag 6.3.2010 18 Uhr (!)
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
MÄDCHEN IM SCHAUFENSTER
LA RAGAZZA IN VETRINA
I/F 1961, s/w, DF, 78 Min., 35mm
Regie Luciano Emmer
Buch Luciano Emmer, Pier Paolo Pasolini, Luciano Martini, Vinicio Marinucci Kamera Otello Martelli Musik Roman Vlad Darsteller Lino Ventura, Magali Noël, Marina Vlady, Bernard Fresson, Antonio Badas
Nachdem die beiden italienischen ›Gastarbeiter‹ ein Grubenunglück in Belgien überleben, machen sie sich auf ins Amsterdamer Rotlichtviertel, wo sich Vincenzo in das Schaufenster-Mädchen Els verliebt.
»Ein Mix aus neorealistischer Sozialstudie und Liebesdrama nach einem Drehbuch, an dem auch der seinerzeit äußerst umstrittene Autor und spätere Regisseur Pier Paolo Pasolini mitschrieb. Emmers Regiearbeit beeindruckt mit der detailgetreuen Milieuschilderung des niederländischen Kohlereviers, für eine erotische Note sorgt die damals 22-jährige Marina Vlady.« PRISMA TV GUIDE
20 Uhr
SÜPERSEKS
D 2004, Farbe, 95 Min., 35mm
Regie Torsten Wacker
Buch Kerim Pamuk, Daniel Schwarz Kamera Andre Lex Musik Florian Tessloff Darsteller Denis Moschitto, Marie Zielke, Hilmi Sözer, Meral Perin, Jenny Ostermann, Peter Lohmeyer
Weil er schnellstens 50.000 Euro auftreiben muß, gründet Elviz die erste türkische Sex-Hotline und bekommt ein echtes Problem, als sich seine eigene Freundin bei Süperseks bewirbt.
»Erfrischend ist SÜPERSEKS, in St. Pauli gedreht, schon deshalb, weil orientalischer Machismo hier ein Problem der Männer ist und nicht, wie in den vielen ›klassischen‹ türkisch-deutschen Dramen wie etwa 40 qm DEUTSCHLAND, ein Problem der Frauen – für sie ist es eine sprudelnde Einnahmequelle.«
BIRGIT ROSCHY, epd Film (2004)
Sonntag 7.3.2010 - 18 Uhr (!)
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
DIE SCHWEIZERMACHER
CH 1978, Farbe, DF, 107 Min., 35mm
Regie Rolf Lyssy
Buch Rolf Lyssy, Christa Maerker Kamera Fritz E. Mäder Musik Jonas C. Häfeli Darsteller Emil Steinberger, Walo Lüönd, Beatrice Kessler, Wolfgang Stendar, Hilde Ziegler, Claudio Caramaschi, Silvia Jost
Max und Moritz, zwei kleinkarierte Kantons-Polizisten nehmen einbürgerungswillige Ausländer unter die Lupe. Denn: Wer die Staatsbürgerschaft dieses saubersten und reichsten Landes erwerben will, wird besucht, befragt, beobachtet...
»An sich war die Geschichte ganz und gar nicht lustig. Rolf Lyssy zeigte schonungslos auf, wie absurd, kleinkariert und auch menschenverachtend das Einbürgerungsprozedere war (und vielleicht immer noch ist). Aber er tat es nicht wie seine damaligen Kollegen aufklärerisch-didaktisch, sprich langweilig, sondern witzig, ironisch, leicht sarkastisch, mit gutschweizerischem Charme und einer Prise Romantik.«
MARKUS HEGGLIN
20 Uhr
PANE E CIOCCOLATA
BROT UND SCHOKOLADE
I 1973, Farbe, OmU, 110 Min.
Regie Franco Brusati
Buch Franco Brusati, Jaja Fiastri (Dialoge) Kamera Luciano Tovoli Musik Daniele Patucchi Darsteller Nino Manfredi, Anna Karina, Paolo Turco, Johnny Dorelli, Ugo D’Alessio, Tano Cimarosa
In der Schweiz findet der Italiener Nino Garofalo sein Glück als Kellner. Bis er beim Pinkeln in der Öffentlichkeit erwischt wird und man ihm die Arbeitserlaubnis entzieht. Ohne gültige Papiere findet er Zuflucht bei der Griechin Elena und verliebt sich. Die aber will einen Polizisten heiraten.
»Die warmherzige Satire erinnert an Chaplin-Klassiker wie LICHTER DER GROSSSTADT . 1973 gewann sie den Silbernen Bären. Fazit: Schräg, aber anrührend: So funktioniert das!« CINEMA
Vorfilm
DAS GRÜNE SCHAF
D 2008, Farbe, 4 Min., 35mm
Animation, Kamera, Buch & Regie Carsten Strauch Musik Kolja Erdmann Sprecher Carsten Strauch
Marcel hat es nicht leicht in der Schule. Als grünes Schaf wird er häufig ausgegrenzt und mit Vorurteilen konfrontiert. Doch seine Patchwork-Familie gibt ihm Halt.
Donnerstag 11.3.2010 20 Uhr
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
WILD IS THE WIND
WILD IST DER WIND
USA 1957, s/w, OF, 114 Min., 16mm
Regie George Cukor
Buch Arnold Schulmann Kamera Charles Lang jr. Musik Dimitri Tiomkin Darsteller Anna Magnani, Anthony Quinn, Tony Franciosa, Dolores Hart, Joseph Calleia
Nach dem Tod seiner Frau heiratet der italo-amerikanische Farmer Gino seine temperamentvolle Schwägerin Gioia und läßt diese nach Nevada kommen. Weil er versucht, Gioia dem Idealbild seiner verstorbenen Frau anzugleichen, flüchtet sich die verzweifelte Gioia in die Arme eines jüngeren Mannes.
»Sorgfältig gestaltetes Melodram mit zuweilen aufdringlicher Symbolik, aber großartigen Darstellern, das sich ernsthaft mit der dargestellten Problematik auseinanderzusetzen versucht.«
LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS
Freitag 12.3.2010 20 Uhr
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
LOLA UND BILIDIKID
D 1999, Farbe, 90 Min., 35mm
Buch & Regie Kutluğ Ataman
Kamera Chris Squires Musik Arpad Bondy Darsteller Gandi Mukli, Baki Davrak, Erdal Yildiz, Inge Keller, Michael Gerber, Murat Yilmaz
Im Berliner Nachtleben lernt der homosexuelle Murat den Transvestiten Lola kennen und entdeckt, daß dieser sein eigener Bruder ist, den die Familie einst verstoßen hatte.
»Ataman nähert sich gefühlvoll den Figuren dieser extravaganten Szene. Mit verschiedenen parallelen Handlungen erstellt Ataman ein breit angelegtes Porträt einer Subkultur, das in keinem Moment auf Oberflächlichkeiten oder Klischees zurückgreift.«
DIETER HERCHENBACH, GAYSTATION (2000)
Zu Gast: Gandi Mukli
Vorfilm
FRIZÖR
D 2002, Farbe, 15 Min., 35mm
Buch & Regie Ayhan Salar
Kamera Ayhan Salar Musik Orhan Simsek Darsteller Orhan Simsek, Nadja Tröster, Yasar Cankal, Malte Can, Sven Kaulbars, Edgar Mielke, Naci Özarslan
Obwohl der Türke Ahmet vor ihm aus dem Zug steigt, feiert die Bundesregierung den Portugiesen Armando Rodrigues de Sá als millionsten ›Gastarbeiter‹. Und nur weil Ahmet auf die Frage, ob er ein Gastarbeiter sei, geantwortet hatte: »Ich Frizör«.
Samstag 13.3.2010 18 Uhr (!)
Her mit dem besseren Leben! – Kino und Migration
FRATRICIDE – BRUDERMORD
D/LU/F 2005, Farbe, 95 Min., 35mm
Buch & Regie Yilmaz Arslan
Kamera Jean-Francois Hensgens Musik Evgueni Galperine Darsteller Erdal Celik, Xevat Gectan, Nurretin Celik, Bulent Buyukasik, Xhiljona Ndoja, Taies Farzan, Oral Uyan
Nachdem er seinem Bruder nach Deutschland nachreist, gerät der kurdische Junge Azad in einen Konflikt mit einem türkischen Brüderpaar. Eine Begegnung mit tödlichem Ausgang.
»Der neue Film von Yilmaz Arslan erzählt mit der Wucht einer antiken Tragödie vom gewaltträchtigen Konflikt zwischen Kurden und Türken. Den Zuschauer erwarten eine treffende politische Analyse und die Kunst des Geschichtenerzählens.«
HEIKE KÜHN, epd Film (2006)
20 Uhr
PALERMO ODER WOLFSBURG
Premiere einer neuen, neu untertitelten Fassung!
Regie Werner Schroeter
Buch Werner Schroeter, Giuseppe Fava Kamera Thomas Mauch Musik Alban Berg Darsteller Nicola Zarbo, Otto Sander, Ida Di Benedetto, Magdalena Montezuma, Johannes Wacker, Antonio Orlando, Brigitte Tig, Gisela Hahn, Calogero Arancio, Cavaliere Comparato, Ula Stöckl, Harry Baer
Um seine Familie zu unterstützen, geht der 17-jährige Sizilianer Nicola nach Wolfsburg zu Volkswagen. Seine Freundin Brigitte läßt ihn Demütigungen und Isolation vergessen. Als diese ihn aber verläßt, wird Nicola zum Mörder.
»Die Passion eines sizilianischen Fremdarbeiters in der Kälte des deutschen Nordens. Werner Schröter wendet in PALERMO ODER WOLFSBURG die Formen seiner früheren Filme aufs herkömmliche Erzählkino an. Das pathetisch-groteske Zitat wird so zu wildem Ernst, die höhnische Filmoper avanciert zum großartigen realistischen Melodram.«
HARRY TOMICEK, ÖSTERREICHISCHES FILMMUSEUM (2010)
Zu Gast: Kameramann & Produzent Thomas Mauch
Sonntag 14.3.2010 18 Uhr (!)
OTOMO
D 1999, Farbe, 85 Min., 35mm
Regie Frieder Schlaich
Buch Frieder Schlaich, Klaus Pohl Kamera Volker Tittel Musik Don Philippe Darsteller Isaach De Bankolé, Eva Mattes, Hanno Friedrich, Bernaby Metschurat, Lara Kugler
Beim Versuch, sich der Festnahme zu entziehen, ersticht ein westafrikanischer Asylsuchender in Stuttgart zwei Polizeibeamte, bevor er selbst erschossen wird. Dramatisierung nach einem authentischen Fall.
»Der handwerklich präzise und ideal besetzte Film folgt einer Dramaturgie der skandalösen Zufälligkeit, in der Banalitäten zur Katastrophe führen. Filmisch reflektierte Studie über die Eskalation von Gewalt und das Zerbrechen von Träumen.«
FILMDIENST
20 Uhr
ANGST ESSEN SEELE AUF
BRD 1973, Farbe, 93 Min., 35mm
Buch & Regie Rainer Werner Fassbinder Kamera Jürgen Jürges Musik Rainer Werner Fassbinder, Archivmusik Darsteller Brigitte Mira, El Hedi Ben Salem, Barbara Valentin, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Karl Scheydt, Elma Karlowa, Walter Sedlmayr, Doris Mattes, Liselotte Eder, Marquard Bohm, Hark Bohm
Trotz offener Ablehnung heiratet die etwa 60-jährige Witwe Emmi den, den 20 Jahre jüngeren Marokkaner Ali. Als dieser wieder Kontakt zu seiner früheren Geliebten aufnimmt, gerät die Ehe in die Krise…
»Das Erstaunlichste an diesem lakonischen Film ist nicht nur Fassbinders Mut, sich an das heikle Thema zu wagen, sondern auch seine Fähigkeit, diese Liebesgeschichte und ihre Schwierigkeiten ohne falsches Pathos, kühl fast und doch voller Sympathie mit seinen beiden Hauptfiguren so zu erzählen, daß keine Unglaubwürdigkeit aufkommt.«
WOLFRAM SCHÜTTE (1974)
Vorfilm
SPIELEN IN DEUTSCHLAND
BRD 1975, s/w, 13 Min., 35mm
Kamera, Buch & Regie Marran Gosov
Darsteller Marran Gosov u.v.a.
Dreharbeiten zu einem Film: ein türkischer Schauspieler soll als Müllmann einer Frau hinterher pfeifen, aber wider Erwarten macht er große Schwierigkeiten.
Im Herbst II – Die letzten Jahre in der DDR
Vor zwanzig Jahren fanden in der ehemaligen DDR die ersten freien Wahlen statt. Aus diesem Anlaß zeigt der Filmclub 813 den zweiten Teil der Filmreihe Im Herbst.
In einer Auswahl von Dokumentar- und Spielfilmen mit je einem Vorfilm werden die letzten in den Jahren 1988/89 entstandenen DDR-Filme gezeigt; die ein lebendiges, authentisches Wirklichkeitsbild dieser Umbruchjahre einfangen und darstellen. Sichtbar und nachvollziehbar wird die Kluft zwischen gesellschaftlichem Anspruch und Alltagsrealität. Sichtbar wird auch der gesellschaftliche Stillstand und die Sehnsucht nach Veränderungen, auch eine lebendige Szene in einer im Verborgenen blühenden Subkultur.
Alles in allem ein Stimmungsbild, das unser Kulturverständnis und Geschichtsbild erweitern kann.
Donnerstag 18.3.2010 20 Uhr
Im Herbst II – Die letzten Jahre in der DDR
ABSCHIEDSDISCO
DDR, 1989, Farbe, 100 Min., 35mm
Regie Rolf Losansky
Buch Rolf Losansky, nach der gleichnamigen Erzählung von Joachim Nowotny Kamera Helmut Grewald, Hans-Jürgen Reinicke Musik Reinhard Lakomy Darsteller Holger Kubisch, Dana Bauer, Susanna Saewert, Jaecki Schwarz, Horst Schulze, Gert-Hartmut Schreier, Wolfgang Winkler, Susanne Worch, Fritz Marquardt
Der 15jährige Henning wird durch den Tod seiner Schulfreundin Silke zum ersten Mal mit existentiellen Fragen des Lebens konfrontiert. Seine Trauer ist groß, auch die tröstenden Worte von Dixie, einem Mädchen aus seiner Klasse, helfen ihm nicht weiter. So macht er sich auf zu seinem Urgroßvater, der allein im Dorf Wussina im Kohleabraumgebiet lebt und sich weigert, ins Altenheim zu gehen. Bis heute haben hier Leute gewohnt, haben ihre Schafe angepflockt, Kirschen gepflückt… Doch dieser idyllische Ort muß dem Tagebau weichen. Der alte Dorfkauz lehrt Henning, die Wirklichkeit neu zu sehen.
Vorfilm
SHANTY… ODER SCHWIERIGKEITEN MIT DER JUGENDMODE
DDR, 1989, Farbe, 20 Min., 35mm
Regie Jürgen Rohne
Buch Jürgen Rohne Kamera Jürgen Partzsch Musik Archiv
Am Beispiel der Modegestalterin Christiane Stürmer, die im VEB ›Shanty Rostock‹ für die Entwicklung und Gestaltung von Jugendmode verantwortlich ist, wird die Schwierigkeit von Modegestaltung in der Planwirtschaft dargestellt.
Freitag 19.3.2010 20 Uhr
Im Herbst II – Die letzten Jahre in der DDR
FLÜSTERN UND SCHREIEN
DDR, 1988, Farbe, 120 Min., 35mm
Regie Dieter Schumann
Buch Dieter Schumann, Jochen Wisotzki Kamera Michael Lösche Musik_ Feeling B, Chicoree, Silly, Sandow, Popgeneration, André und Firma
Ein unterhaltsames Roadmovie über die Rock- und Punkszene in der DDR. Ein Jahr lang haben Dieter Schumann und sein Team Bands wie »Silly« mit Tamara Danz, »Feeling B« mit Aljoscha Rompe, »Chicoree« und »Sandow« auf ihren Tourneen begleitet. Alle Underground-Gruppen sind im Konzert zu sehen, im Kontakt mit ihrem Publikum.
Harter Rock als Rebellion gegen ein eingeengtes Leben am Vorabend der Friedlichen Revolution. Das Genre Musikfilm war für Schumann die einzige Möglichkeit, die Produktion genehmigt zu bekommen. Die Premiere fand im Oktober 1988 im Berliner Colosseum statt, das Kino war wochenlang ausverkauft. Insgesamt konnte der ›Rockreport‹ fast eine Million Zuschauer und damit Kultstatus erlangen.
Vorfilm
ZUM SEHEN GEBOREN
DDR 1988, Farbe, 28 Min., 35mm
Buch & Regie Joachim Tschirner
Die Sängerin Barbara Thalheim und ihr Vater Werner Thalheim, Jahrgang 1906. Nie angepaßt, immer unbequem.
Samstag 20.3.2010 20 Uhr
Im Herbst II – Die letzten Jahre in der DDR
SEHNSUCHT
DDR 1989, Farbe, 94 Min., 35mm
RegieJürgen Brauer
Buch Jürgen Brauer nach der Novelle von Jurij Koch Kamera Jürgen Brauer Musik Ralf Hoyer Darsteller Ulrike Krumbiegel, Ulrich Mühe, Thomas Büchel, Martin Trettau, Katharina Lind, Benno Mieth, Thomas Bading, Dieter Rutnowski
Entstanden in den dramatischen Umbruchzeiten des Jahres 1989 sind in der Literaturverfilmung nach der Novelle des sorbischen Autors Jurij Koch Realität und Phantasie eng miteinander verwoben. Obwohl der Mauerfall nicht direkt thematisiert, der Umzug nach Paris gar als alltäglich dargestellt wird, spiegelt SEHNSUCHT Stimmungen dieses revolutionären Jahres wider und darf auch als Metapher für soziale Bindung, Tradition und Heimatgefühl verstanden werden.
Vorfilme
Zwischen Staatskunst und Underground – Animationsfilme aus der DDR
Das Programm zeigt Kurzfilm-Perlen und künstlerische Reibungen, die aus der spezifischen Situation jener Zeit resultieren. Einerseits sind im Programm animierte Kurzfilme aus dem staatlichen DEFA-Studio in Dresden versammelt, andererseits Beispiele aus dem filmischen Underground zu sehen. Auffällig ist das hohe handwerkliche Niveau aller Filme, manch subversive Idee wie bei Lutz Stützners Film DIE PANNE und der künstlerische Gestaltungswille jenseits aller Dogmen, wie er in den Filmen einer Sieglinde Hamacher zu finden ist.
EIN GEMACHTER MANN ODER »FALSCHE FUFFZIGER« (Kurt Weiler, 1978), EINMART (Lutz Dammbeck, 1981), SIEBEN RECHTE DES ZUSCHAUERS (Marion Rasche, Peter Mißbach, 1980), KONTRASTE (Sieglinde Hamacher, 1982), SIRENEN (Klaus Georgi, 1983), DIE PANNE (Klaus Georgi, Lutz Stützer, 1988), DAS MONUMENT (Klaus Georgi, Lutz Stützer, 1989), ACTION SITUATION (Helge Leiberg, 1983), »STRUKTUREN UND FILM« AKA »STRUKTUREN I« (Christine Schlegel, 1984), ZEICHENFILM II – FRAGMENTE FRAGILE (Andreas Dress, 1987); insg. 28 Min.
Cinebrasil
Spätestens seit Fernando Meirelles Kinohit CITY OF GOD ist bekannt, daß Brasilien eine innovative Filmszene hat. Dennoch findet der brasilianische Film nur allzu selten den Weg auf deutsche Kinoleinwände. Aus diesem Grund zeigt der Filmclub 813 innerhalb des Filmfestival Cinebrasil 2010, das in 14 europäischen Städten zu sehen ist und nunmehr sein fünfjähriges Jubiläum feiert, Spiel- und Dokumentarfilme, die einen Einblick in die Lebendigkeit des filmischen Schaffens in Lateinamerika geben.
Mittwoch 24.03.2010 20 Uhr
Cinebrasil
O ANO EM QUE MEUS PAIS SAÍRAM DE FÉRIAS
DAS JAHR, ALS MEINE ELTERN IM URLAUB WAREN
BRA 2006, Farbe, OmU, 110 Min., 35mm
Regie Cao Hamburger, Buch Claudio Galperin, Cao Hamburger Kamera Adriano Goldman Musik Betto Villares Darsteller Michel Joelsas, Germano Haiut, Paulo Autran, Simone Spoladore, Eduardo Moreira, Caio Blat, Daniela Piepszyk, Gabriel Eric Bursztein, Felipe Hanna Braun, Haim Fridman, Hugueta Sendacz
Der zwölfjährige Mauro soll in die Obhut seines Großvaters gegeben werden, als seine aus unbekannten Gründen verängstigten Eltern Hals über Kopf beschließen, in den Urlaub zu fahren. Mauro wird von den Eltern an der Tür der Wohnung des Großvaters alleine zurückgelassen. Nach langem Warten taucht plötzlich der alte Nachbar Shlomo auf, und Mauro muß erfahren, daß sein Großvater kurz zuvor gestorben ist.
Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis als ›Bester Film‹: Festival do Rio 2006 (Brasilien), Festival de Lima 2007 (Peru), Mostra International de Cinema de São Paulo (Brasilien).
Donnerstag 25.3.2010 20 UHR
Cinebrasil
O HOMEN DO ANO
DER MANN DES JAHRES
BRA 2003, Farbe, OmeU, 113 Min., 35mm
Regie José Henrique Fonseca, Buch Rubem Fonseca, nach dem Roman O Matador von Patrícia Melo Kamera Breno Silveira Musik Dado Villa-Lobos Darsteller Murilo Benício, Cláudia Abreu, Natália Lage, Jorge Dória, José Wilker, Agildo Ribeiro, Paulo César Pervio, André Gonçalves, Paulinho Moska, Lázaro Ramos
Aufgrund einer verlorenen Wette läßt sich Maiquel die Haare blond färben. Am Abend geht er mit einem Freund aus, um den neuen Look vorzuführen. Dabei kommt es in der Bar zu einem folgenschweren Streit.
Freitag 26.2.2010 20 Uhr
Cinebrasil
DEPOIS DAQUELE BAILE
NACH JENEM TANZ
BRA 2005, Farbe, OmeU, 106 Min., 35mm
Regie Roberto Bomtempo, mit Alexandre Cioletti, Ingrid Guimarães, Lima Duarte u.a.
Buch Suzana Schild Kamera Nonato Estrela Musik Marco de Vita Darsteller Lima Duarte, Irene Ravache, Marcos Caruso, Ingrid Guimarães, Regina Sampaio, Chico Pelúcio
In einem Dorf in Belo Horizonte betreibt Dóris mit ihrer Nichte Bete eine Pension. Zu ihren Stammgästen gehören Freitas und Otávio. Beide sind um die Sechzig und befinden sich im Wettstreit um die Liebe der Witwe. Freitas ist ein pensionierter Lehrer, Frauenheld und frustrierter Schriftsteller, der nur »den Augenblick« genießt; Otávio, ein ehemaliger Exilant, lebt in der Vergangenheit. Freitas schlägt Otávio eine Wette vor: Der Gewinner hat einen Monat Zeit, Dóris Herz zu erobern.
Samstag 27.2.2010 20 Uhr
Zum 100. Geburtstag von Akira Kurosawa
UZALA, DER KIRGISE
DERSU UZALA
Russland/Japan 1975, Farbe, DF, 142 Min., 35mm
Regie Akira Kurosawa
Buch Akira Kurosawa, Jurij Nagibin nach Reiseberichten von Wladimir Arsenjew Kamera Asakazu Nakai, Jurij Gantman, Fjodor Dobranawow Musik Isaak Swarts Darsteller Maxim Muzuk, Jurij Solomine, Swetlana Danilchenko, Dima Kortichew, Schemeiki Chokomorow
»Akira Kurosawa, der große alte Mann des japanischen Kinos, der weltweit gefeierte Regisseur von RASHOMON, DIE SIEBEN SAMURAI, und DAS SCHLOSS IM SPINNWEBWALD (Macbeth), Idol von so unterschiedlichen Cinéasten wie Sam Peckinpah, Sergio Leone und Werner Herzog – dieser Mann, den sie in den Filmstudios von Tokio den ›Tenno‹ nennen, hat mit DERSU UZALA einen Traum realisiert. Nach fünf Jahren des Schweigens, die mit einem Selbstmordversuch begannen, folgte Kurosawa mit seinem russisch-japanischen Team den Spuren des Captain Vladimir Arseniev, auf der Suche nach unzerstörten Landschaften und menschenwürdigen Lebensbedingungen. […]
UZALA, DER KIRGISE, Kurosawas 26. Film, ist eine konservative Utopie, deren Ernsthaftigkeit, deren Noblesse und deren völliger Mangel an Sentimentalität viel zu tun hat mit einigen der schönsten Western des klassischen Hollywood: mit THE BIG SKY von Howard Hawks, mit ACROSS THE WIDE MISSOURI von William A Wellman und mit WAGONMASTER von John Ford. Aufbruchsfilme, Reisefilme über die Verheißung ferner Horizonte. In Amerika müßte Kurosawas Film heißen: ACROSS THE WIDE USSURI.«
HANS C. BLUMENBERG (1976)
Sonntag 28.3.2010 20 Uhr
In memoriam Eric Rohmer
DAS GRÜNE LEUCHTEN
LE RAYON VERT
F 1986, Farbe, DF, 98 Min., 35mm
Buch & Regie Eric Rohmer
Kamera Sophie Maintigneux Musik Jean-Louis Valero nach einem Motiv von Eric Rohmer Darsteller Marie Rivière, Vincent Gauthier und in Nebenrollen Sylvie Richez, Eric Hamm, Gérard Quéré, Julie Quéré, Brigitte Poulain, Béatrice Romand, Rosette
»Zum erstenmal hat Rohmer seine Akteure improvisieren lassen vor der Kamera, doch das hat sein Kino im Grund nicht verändert, das keine Grenzen kennt zwischen innen und außen, zwischen Einbildung und Realität. Rohmer filmt Attitüden und wie sie geformt werden von Gefühlen und Wünschen.«
FRITZ GÖTTLER (1987)
»Wer den grünen Lichtstrahl sieht und reinen Herzens ist, der kann in diesem Augenblick in den eigenen Gefühlen und in denen der anderen lesen. Delphine sieht das grüne Leuchten am Schluß, und wir sehen ihr dabei zu. Rohmers Kino ist, wie das grüne Leuchten, Wissenschaft, Märchen und Zauberei zugleich: Seine Schönheit offenbart sich nur denen, die sehen, suchen, träumen können.«
CLAUDIUS SEIDL (1987)
Montag 29.3.2010 - 20 Uhr
In memoriam Eric Rohmer
FRÜHLINGSERZÄHLUNG
CONTE DE PRINTEMPS
F 1989, Farbe, DF, 112 Min., 35mm
Buch & Regie Eric Rohmer
Kamera Luc Pragès Darsteller Anne Teyssèdre, Florence Darel, Hugues Quester, Eloise Bennet, Sophie Robin, Marc Lelou, François Lamore
»Mit diesem durch und durch logischen und einem kleinen Rätsel versehenen Märchen hat Rohmer einen seiner schönsten Filme fertiggestellt. Die kleine Geschichte spielt nicht nur im Frühling, sie verströmt Frühling. Die frischen Farben sind eine Wohltat für die Augen, stets werden Blumen und Blüten in verschiedenen Formen, Farben und Variationen ins Bild gerückt, und Menschen, deren Wege sich im Laufe der Handlung kreuzen, begegnen einander weitgehend mit einer Frische und Natürlichkeit, als würde die wiedererwachte Natur Impulse ausstrahlen, die das Verhalten der Menschen zum Positiven beeinflussen.
Dieses durchdachte, ausgeklügelte Kunstwerk wird mit einer solchen Beiläufigkeit, ja Schwerelosigkeit vorgetragen, daß alles Künstliche von ihm abfällt und das Wesentliche und Beispielhafte sichtbar wird, wobei es die ironische Distanz ermöglicht, dem Treiben amüsiert zu folgen.«
FILMDIENST (1990)
Dienstag 30.3.2010 20 Uhr
Zum 100. Geburtstag von Akira Kurosawa
AKIRA KUROSAWAS TRÄUME
KONNA YUME WO MITA aka AKIRA KUROSAWA`S DREAMS
USA/Japan 1990, Farbe, OmU, 119 Min., 35mm
Buch & Regie Akira Kurosawa
Kamera Takao Saito Musik Shinichiro Ikebe Darsteller Toshihiko Nakano, Akira Terao, Mitsuko Baisho, Mitsunori Izaki, Martin Scorsese, Misato Tate, Mieko Suzuki, Chishu Ryu
»Kurosawas 29. Film ist sein bis dahin persönlichstes und intimstes Werk: eine Folge von acht Träumen, in denen sich seine Kindheitserinnerungen, Ängste und Hoffnungen mit märchenhafter Magie zu einem intensiven, farbenprächtigen Reigen von außergewöhnlicher Poesie verbinden. Eine eindringliche Aufforderung, zu den Wurzeln des Lebens und der Schöpfung zurückzukehren und selbst hinter den Banalitäten das Geheimnis des Daseins zu entdecken. Die einzelnen Episoden: 1. Sonne, die durch den Regen scheint, 2. Der Pfirsichgarten, 3. Schneesturm, 4. Der Tunnel, 5. Krähen, 6. Fujiyama in Rot, 7. Der weinende Menschenfresser, 8. Das Dorf mit den Wassermühlen«
LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS
Mittwoch 31.3.2010 - 20 Uhr
In memoriam Eric Rohmer
HERBSTGESCHICHTE
CONTE D` AUTOMNE
F 1998, Farbe, OmU, 110 Min., 35mm
Buch & Regie Eric Rohmer
Kamera Diane Baratier Darsteller Marie Rivière, Béatrice Romand, Alain Libolt, Didier Sandre, Alexia Portal, Stephane Darmon
»Mit HERBSTGESCHICHTE schließt Rohmer seinen Leinwandzyklus ›Vier Jahreszeiten‹ meisterlich ab. Leichter und schöner kann man einen Film um Menschen, über Menschen, für Menschen nicht machen. 110 Minuten lang nimmt der Zuschauer Anteil am Schicksal von zwei Frauen in reiferen Jahren, der temperamentvollen, aber etwas verzagten Winzerin Magali und der sanften, aber nicht unraffinierten Buchhändlerin Isabelle. Doch halt – da gibt es noch eine stille dritte Hauptperson: Frankreichs schöner Süden, wo so viel große Weine reifen.« WOLFGANG HÜBNER (1998)