Monatsprogramm Januar
Foto (Progress Film):
aus dem Film FEIERABEND zur Filmreihe
Zwischen Propaganda & Dokument:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
24.1.-29.1.2012
ausführliche Programminformationen im unteren Teil
Mittwoch 4.1.2012
20 Uhr
Coming home
BEAUTIFUL GIRLS
USA 1996 - DF - 112 Min. - 35mm
Regie: Ted Demme
Donnerstag 5.1.2012
20 Uhr
Al Pacino
SEA OF LOVE – MELODIE DES TODES
(SEA OF LOVE)
USA 1989 DF - 113 Min. - 35mm
Regie: Harold Becker
Freitag 6.1.2012
20 Uhr
Hal Hartley
TRUST - BLINDES VERTRAUEN
(TRUST)
USA 1990 - DF - 107 - Min. - 35mm
Regie: Hal Hartley
Samstag 7.1.2012
Zur Ausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum:
»Alfred Kubin - Nebenwelten«
- verlängert bis zum 8.1.2012
17:30 Uhr (!)*
TRAUMSTADT
Regie: Johannes Schaaf
BRD 1973 - 124 Min. - 35mm
20 Uhr
Al Pacino
CRUISING
USA 1980 - DF - Min. - 35mm
Regie: William Friedkin
Sonntag 8.1.2012
Zur Ausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum:
»Alfred Kubin - Nebenwelten«
- verlängert bis zum 8.1.2012
17:30 Uhr (!) - Wiederholung
TRAUMSTADT
Regie: Johannes Schaaf
BRD 1973 - 124 Min. - 35mm
Sonntag 8.1.2012
20 Uhr
Hal Hartley
SIMPLE MEN
USA 1992 - DF - 105 Min. - 35mm
Regie: Hal Hartley
Montag 9.1.2012
Boulevard der Erinnerung: Ken Russell
20 Uhr
DER BISS DER SCHLANGENFRAU
(THE LAIR OF THE WORM)
GB 1988 - DF - 93 Min. - 35mm
Regie: Ken Russell
Mittwoch 11.1.2012
813-Carte Blanche: Mathias Bergmann
20 Uhr
BUFFALO '66
USA 1998 - DF - 110 Min- 35mm
Regie: Vincent Gallo
Donnerstag 12.1.2012
21. Geburtstag des Filmclub 813
20:13 Uhr
Musikfilme, u.a.
LENINGRAD COWBOYS GO AMERICA
SF/S 1989 - 78 - DF - 35mm
Regie: Aki Kaurismäki
Freitag 13.1.2012
Die deutsche Wiedervereinigung aus der Sicht von MigrantInnen
20 Uhr
DUVARLAR / MAUERN / WALLS
TR/USA 2000 - Türk.mDt.U - 84 Min.
Regie: Can Candan
anschließend Sprechtheater und
DJ Imran Ayata (Berlin) im Foyer
Dienstag 24.1.2012
20 Uhr
Zwischen Dokument und Propaganda:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
Kurzdokumentation über Karl Gass +
SCHAUT AUF DIESE STADT
DDR 1962 - 86 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
Mittwoch 25.1.2012
Programmänderung!
20 Uhr
Zwischen Dokument und Propaganda:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
EINE DEUTSCHE KARRIERE - RÜCKBLICKE AUF UNSER JAGHRHUNDERT
DDR 1987 - s/w - 111 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
Donnerstag 26.1.2012
Zwischen Dokument und Propaganda:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
20 Uhr
KLAUS G. UND SEINE 100 MÄDEL
DDR 1981 - 20 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
ASSE
DDR 1966 - 75 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
Samstag 28.1.2012
Zwischen Dokument und Propaganda:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
18 Uhr
NATIONALITÄT: DEUTSCH
DDR 1990 - 93 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
Zu Gast: Christel Gass
20 Uhr
TURBINE 1
DDR 1953 - 23 Min.- 35mm
Buch: Karl Gass, Regie: Joop Huiskens
VOM ALEX ZUM EISMEER
DDR 1954 - 22 Min.- 35mm
FEIERABEND
DDR 1964 - 27 Min. - 35mm
ICKE - ICKE
DDR 1972 – 9 Min. - 35mm
Zu Gast: Christel Gass
Sonntag 29.1.2012
3.Todestag von Karl Gass
Zwischen Dokument und Propaganda:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
18 Uhr
ICH SCHREIBE
DDR 1971 - 9 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
DAS JAHR 1945
DDR 1984 - 90 Min. - 35mm
Buch & Regie: Karl Gass
20 Uhr
3 TAGE IM AUGUST
DDR 1982 - s/w - 22 Min. - 35mm
+ Dokumentation über Karl Gass
Die Filmreihe Zwischen Dokument und Propaganda:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR wird durch
die DEFA-Stiftung (Berlin) gefördert.
allgemeiner Hinweis
Spielpause vom 30.1.- 13.4.2012
wegen Nachbesserung der Heizungs- und Lüftungssanierung
im Gebäude DIE BRÜCKE durch die Stadt Köln
ausführliche Programminformationen
Mittwoch 4. Januar
20 Uhr
Coming Home
BEAUTIFUL GIRLS
USA 1996 - Farbe - dF - 113 Min. - 35mm
Regie Ted Demme
Buch Scott Rosenberg Kamera Adam Kimmel Musik David A. Steward Darsteller Timothy Hutton, Matt Dillon, Natalie Portman, Mira Sorvino, Uma Thurman, Michael Rapaport, Rosie O'Donnell, Lauren Holly, David Arquette, Annabeth Gish, Martha Plimpton, Max Perlich
»Der Film hat mehr mit Eric Rohmer als mit Hollywoods Erfolgskomödien zu tun. Es wird mehr geredet als gehandelt. Mit einem Satz: diese Produktion steht dem Leben näher als die meisten amerikanischen Filme.
Willie (Timothy Hutton) hat es als einziger aus seiner Clique gewagt, Knight’s Ridge den Rücken zu kehren, aber sein Leben als Bar-Pianist macht ihn ebenso wenig glücklich wie seine Beziehung zur Rechtsanwältin Tracy. Seine Rückkehr ist für ihn das Eingeständnis seiner Verzweiflung, doch alle anderen nehmen ihn auf, als sei er bloß eine Nacht weg gewesen. Willie ist das Zentrum einer Geschichte, die um ein Dutzend Jungs und Mädchen kreist. Von den Jungs ist noch keiner aus dem Alter raus, in dem man den starken Mann spielt. Die Mädchen sind hingegen schon zu Frauen herangereift und können über das wahrhaft schwache Geschlecht nur mit dem Kopf schütteln. […]
Dieses Dutzend wird von erstklassigen Nachwuchsdarstellern gespielt. […] Wenn jedoch Natalie Portman, dieses frühreife Wesen, das bereits LÉON den Kopf verdreht hatte, keck und offen mit Willie flirtet, bekommt der verspielte Film Anflüge von berührender Ernsthaftigkeit.«
Milan Pavlovic (1996)
Donnerstag 5. Januar
20 Uhr
Al Pacino
SEA OF LOVE – MELODIE DES TODES
SEA OF LOVE
USA 1989 - Farbe - dF - 113 Min. - 35mm
Regie Harold Becker
Buch Richard Price Kamera Ronnie Taylor Musik Trevor Jones Darsteller Al Pacino, Ellen Barkin, John Goodman, Michael Rooker, William Hickey, Richard Jenkins
»Nach 20 Dienstjahren und einer gescheiterten Ehe steckt ein New Yorker Polizist in einer tiefen Krise, die er mit Zynismus und Alkohol zu bewältigen versucht. Während der Ermittlungen in einer rätselhaften Ritualmord-Serie verliebt er sich in die attraktive Hauptverdächtige und gerät zunehmend in Konflikt mit seinen beruflichen Aufgaben.«
Lexikon des Internationalen Films
»Weniger ein Thriller als vielmehr die Geschichte einer amour fou, garniert mit ein paar Leichen. Die wenigen Schreckmomente sind dramaturgisch so geschickt über den ganzen Film verteilt, daß sie ausreichen, die Spannung zu halten. Der Rest findet vor allem in den Köpfen der Zuschauer statt. […] SEA OF LOVE ist handwerklich perfekt gemachtes Unterhaltungskino; mit straffer Handlung und vielen Hinweisen, die den Zuschauer ebenso wie den Polizisten in die Irre führen, ohne die Schlußpointe auch nur im mindesten vorwegzunehmen.«
Rainer Nolden (1990)
Freitag 6. Januar
20 Uhr
Hal Hartley
TRUST – BLINDES VERTRAUEN
TRUST
USA 1991 - Farbe - dF - 93 Min. - 35mm
Buch & Regie Hal Hartley
Kamera Michael Spiller Musik Philip Reed, The Great Outdoors Darsteller Adrienne Shelly, Martin Donovan, Merrit Nelson, Edie Falco, John MacKay, Gary Sauer
»Hal Hartleys zweiter Spielfilm – entschieden besser als der erste, THE UNBELIEVABLE TRUTH / VERDACHT AUF LIEBE (1989) – kehrt zurück in die Pendlerstadt auf Long Island und erzählt einen Tag aus dem Leben seiner Hauptdarstellerin (Adrienne Shelly), als sie noch ein einsamer Teenager war. […] Es ist dem Film hoch anzurechnen, daß ein Übermaß von Zwischenfällen weder unsere Geduld strapaziert noch für oberflächliche Komik herhalten muß. Die eigentliche Story beginnt erst, als sich die Heldin und das Informatik-Genie aufeinander einlassen und sie sich beide dadurch allmählich verändern. Die verdrehte Komödie bleibt den Charakteren und ihrem Milieu treu und gewinnt mit dem Fortschreiten der Zeit – wie Hartleys Gesamtwerk auch.«
Jonathan Rosenbaum (2007)
»Wie die meisten wahrhaft unverwechselbaren Stile ist auch Hartley ein Amalgam übernommener Ideen. Eine beliebige Szene in TRUST weckt gleichzeitig Erinnerungen an, sagen wir mal, Godard, Robert Frank, alberne Fernsehserien und den ultrabilligen Horrorklassiker CARNIVAL OF SOULS. Und trotzdem wirkt sie wie etwas, das man zuvor noch nie gesehen hat, einfach weil es recht unwahrscheinlich ist, daß jemand anderes diese Anregungen in exakt dieser Form kombinieren würde. Hartley vermischt seine disparaten Einflüsse auf unmißverständlich persönliche Weise, die sowohl selbstbewußt als auch bizarr-unschuldig ist, voller Anspielungen und Verweise, aber nie akademisch und formelhaft.«
The New Yorker (1990)
Samstag 7. Januar
17:30 Uhr (!)
Zur Ausstellung »Alfred Kubin – Nebenwelten«
TRAUMSTADT
BRD/A 1973 - Farbe - 124 Min. - 35mm
Regie Johannes Schaaf
Buch Johannes Schaaf, Rosemarie Fendel, Russell Parker, nach dem Roman Die andere Seite von Alfred Kubin Kamera Gérard Vandenberg, Klaus König Musik Eberhard Schoener Darsteller Per Oscarsson, Rosemarie Fendel, Eva Maria Meineke, Olimpia, Alexander May, Helen Vita, Heinrich Schweiger, Herbert Bötticher, Ronnie Lee Williams, Louis Waldon
»Ein Münchner Künstlerehepaar erlebt in einer utopischen, von der modernen Zivilisation verschonten Stadt seinen ersehnten Traum von der totalen Freiheit. Jeder darf nach seinen Wünschen und Fähigkeiten leben, was jedoch zum totalen Sittenverfall und schließlich zum Zusammenbruch führt und in eine mörderische Serie von Libertinage, Perversionen und Gewalt mündet. Ein breit angelegtes Filmgemälde mit orgiastischen Fantasmen und mondänen Kunstreizen, das der Vorlage Kubins teils getreu folgt, sie teils umdeutet und mit surrealen Bildeinfällen und glänzend inszenierten Happenings umsetzt.«
Lexikon des Internationalen Films
In Zusammenarbeit mit dem Käthe-Kollwitz-Museum, Köln
20 Uhr
Al Pacino
CRUISING
USA 1980 - Farbe - dF - 106 Min. - 35mm
Regie William Friedkin
Buch William Friedkin, nach einem Roman von Gerald Walker Kamera James Contner Musik Jack Nitzsche Darsteller Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino
»Aus Friedkins sehr wechselhaften Werk der achtziger und neunziger Jahre ragen die drei großen Thriller CRUISING (1980), LEBEN UND STERBEN IN L.A. (1985) und JADE (1995) heraus. Alle drei Filme benutzen Versatzstücke des Polizeifilms, um komplexe Allegorien auf die von Korruption und Perversion durchzogene amerikanische Gesellschaft zu entwerfen. In CRUISING porträtiert Al Pacino virtuos einen von sexuellen Identitätszweifeln geplagten Undercover-Cop, der in die schwule Lederszene New Yorks eintaucht, um einen Serienmörder zu ködern. In düsteren Farben zeigt der Regisseur den Mordtrieb als Selbstzerstörungsmechanismus einer dekadenten Gesellschaft.«
Marcus Stiglegger (2002)
Sonntag 8. Januar
17:30 Uhr (!)
Zur Ausstellung »Alfred Kubin – Nebenwelten«
TRAUMSTADT
Text siehe Samstag, 7.1.2012 - 17:30 Uhr
20 Uhr
Hal Hartley
SIMPLE MEN
USA 1992 - Farbe - dF - 105 Min. - 35 mm
Buch & Regie Hal Hartley
Kamera Michael Spiller Musik Ned Rille Darsteller Robert Burke, William Sage, Karen Silla, Elina Löwensohn, Martin Donovan
»Keiner hat im jungen (nicht nur amerikanischen) Kino heute einen so genauen Blick für das scheinbar Nebensächliche und eine so intensive Zärtlichkeit zu den Menschen, die damit leben müssen, wie Hal Hartley. In jedem Moment, in jeder kleinen Geste finden und erfinden diese Menschen sich aufs neue, ganz für den Augenblick, ohne Rücksicht auf Vergangenheit und Zukunft. Was allem, was sie tun, so unverständlich es auch sein mag, eine Grazie und Gnade verleiht, die zu Herzen geht. Hartleys verrückte Filme funktionieren wie die gute, einfache Rockmusik der Sechziger.«
Fritz Göttler (1993)
»Stundenlang möchte man weiterschauen/hören/staunen. Das rührt nicht zuletzt daher, daß der Film ständig neue Wendungen nimmt, daß er voller gegenläufiger Überlappungen ist und voller Widersprüche. Mal ist er inspirierend, mal provokativ geschwätzig, mal ist er amüsant, mal frappierend unverschämt. Irgendwie fühlt man sich wie sonst nur selten im Kino, als säße man in einem weißen Café und lauschte all den aufregenden Geschichten, die andere von ihren Erkundungen, Erfahrungen, Verirrungen an den Nebentischen erzählen.«
Norbert Grob (1993)
Montag 9. Januar
20 Uhr
Boulevard der Erinnerung: Ken Russell (gest. 27.11.2011)
DER BISS DER SCHLANGENFRAU
THE LAIR OF THE WHITE WORM
GB 1988 - Farbe - dF - 93 Min. - 35mm
Regie Ken Russell
Buch Ken Russell, nach dem Roman von Bram Stoker Kamera Dick Bush Musik Stanislas Syrewicz Darsteller Amanda Donohoe, Hugh Grant, Catherine Oxenberg, Sammi Davis, Stratford Johns, Christopher Gable
»Sein Inszenierungsstil, ganz kühl gesagt, ist oft überhitzt. Die aufs Extra-Ordinäre ausgehenden ästhetischen Exzesse seiner posthumen Komponisten-Rufmorde (LISZTOMANIA, MAHLER) und seine Manie, 'große Bücher in Underground-Comics’ (Richard Corliss) zu verwandeln, haben dem britischen Regisseur Ken Russell den Ruf eines Exzentrikers eingetragen. Fast registriert man es mit Erleichterung, daß er […] hier auf das Zerfleddern literarischer Respektabilität verzichtet und wortwörtlich nur auf die Gurgel zielt. Er hat sich The Lair of the White Worm, den letzten und schrägsten Roman des Dracula-Autors Bram Stoker, vorgenommen und in die englische Gegenwart verlegt.
Wie sein HÖLLENRIP ist auch DER BISS DER SCHLANGENFRAU mitunter wüst halluzinatorisch: von römischer Soldateska vergewaltigte Nonnen vor dem Gekreuzigten, um den sich eine Riesenschlange schlingt; oder eine Sex & Tod-Phantasie im Flugzeug mit kämpfenden, Strapse zeigenden Stewardessen. Die wahrlich variationsreich verwendeten Phallus-Symbole dürften selbst einem Team von Therapeuten mittlere Migräne bereiten. […]
Meint Russell das ernst oder parodiert er das Genre? […] Hier kombiniert er raffiniert den ironischen Ton früher Universal-Horrorfilme mit Anspielungen an 30er-Jahre-Pornos und den Strategien von Hammers House of Horrors, der Produktionsfirma, in der Terence Fisher und Freddie Francis Meister waren, um das 'eigentliche’ Thema an- und auszuspielen: die Furcht vor dem weißen Wurm des Sexus. Lustvoll und respektlos.«
Helmut W. Banz (1989)
Mittwoch 11. Januar
20 Uhr
Coming Home
813-Carte blanche: Mathias Bergmann
BUFFALO '66
USA 1998 - Farbe - dF - 110 Min. - 35mm
Regie Vincent Gallo
Buch Vincent Gallo, Alison Bagnall Kamera Lance Acord Darsteller Vincent Gallo, Christina Ricci, Anjelica Huston, Ben Gazzara, Kevin Corrigan, Mickey Rourke, Rosanna Arquette
»Das Spotlight geht an und die Bowlingbahn wird zur Bühne für Laylas (Christina Ricci) zaghafte Stepptanzeinlage zu 'Moon Child' von King Crimson. In sorgfältig ausgewählten Momenten durchbricht Vincent Gallo den Erzählfluß seines Films, distanziert sich von der Geschichte und vergegenwärtigt dem Zuschauer, daß er immer noch einen Film sieht. BUFFALO '66 verliert dabei nie die Nähe zu seinen Figuren. Angesiedelt zwischen lakonischer Komödie und einer Außenseiter-Liebesgeschichte zeigt der Film, was es heißt, Nähe zwischen zwei Menschen zuzulassen. Das ist sicher nicht neu, aber wunderbar erzählt.«
Mathias Bergmann
In unserer losen Reihe »Carte blanche«, die in den kommenden Monaten fortgesetzt werden soll, haben Mitglieder des Filmclubs 813 Gelegenheit, ganz persönliche Lieblingsfilme oder auch Filme, die sie auf irgendeine Weise besonders geprägt oder berührt haben, vorzustellen.
Donnerstag 12. Januar
20:13 Uhr
21. Geburtstag des Filmclub 813
LENINGRAD COWBOYS GO AMERICA
Finnland/S 1989 - Farbe - OmU - 78 Min. - 35mm
Regie Aki Kaurismäki
Buch Aki Kaurismäki, Sakke Järvenpää, Mato Valtonen Kamera Timo Salminen Musik Mauri Sumén Darsteller Matti Pellonpää, Kari Väänänen, Sakke Järvenpää, Heikki Keskinen, Pimme Korhonen, Sakari Kuosmanen, Puka Oinonen, Silu Seppälä, Mauri Sumén, Mato Valtonen, Pekka Virtanen, Jim Jarmusch
»Irgendwo im Niemandsland der Tundra haust die schlechteste Rock’n’Roll-Band der Welt. Gestylt mit überdimensionierten Haartollen und den schnäbligsten Schnabelschuhen aller Zeiten fehlt ihnen nur eins: das Publikum. Der Bassist hat zu lange im Schnee geprobt und ist eingefroren. Doch auch er wird nicht vergessen, als die Band den Satz ihres verzweifelten Managers 'Geht doch nach Amerika, die kaufen jeden Mist’ zu wörtlich nimmt und aufbricht. In einem Sarg mit vier Löchern, eins für die Bassgitarre, zwei für die spitzen Schuhe und eins für die Haartolle, kommt er mit. Ihre Tournee führt von New York über Memphis, New Orleans nach Mexiko.«
Beate Rusch (1997)
»Der Film ist völlig übergeschnappt, idiotisch, kindisch-primitiv; verzerrt in grober Weise das Finnland-Bild im Ausland; mit anderen Worten, er ist eigentlich recht amüsant, in seiner Weise ein lyrisches Werk, das, sauber und professionell verwirklicht, das Weltbild des Zuschauers erweitert. Mit Shakespeare stellt man verblüfft fest: 'Des Dichters Aug’ im schönen Wahnsinn rollt’.«
Mikko Piela
Daneben gibt es noch diverse Trailer, Kurzfilme und andere Überraschungen zu erleben.
Happy Birthday!
Freitag 13. Januar
20 Uhr
Die deutsche Wiedervereinigung aus der Sicht von MigrantInnen
DUVARLAR / MAUERN / WALLS
USA/Türkei 2000 - Farbe - Türk.mU - 83 Min. - digital
Regie Can Candan
Der zwischen 1989 und 1991 in Berlin gedrehte Film DUVARLAR/MAUERN/WALLS von Can Candan versetzt uns zurück in die frühen 90er Jahre. Auf Mauerfall und Wiedervereinigung folgten rassistische Anschläge und pogromartigeÜberfälle in zahlreichen Städten Deutschlands. Orte wie Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen wurden zu Synonymen für diese Zeit, die Antifa wurde zur bedeutendsten Bewegung in der Deutschen Linken. Dieser häufig erzählten Geschichte des Mauerfalls, dutzender ermordeter MigrantInnen, der de facto Abschaffung des Asylrechts und des antifaschistischen Widerstands dagegen stellt der Film DUVARLAR/ MAUERN/WALLS einen neuen Blick auf diese Zeit aus migrantischer Perspektive gegenüber. In Interviews werden in einzigartiger Weise die Situation aus Sicht der türkischsprachigen EinwohnerInnen, ihre Analysen und ihre Schlußfolgerungen dokumentiert.
Nach dem Film wird die Entwicklung seit den Neunziger Jahren, die andauernde Kontinuität der Migration, die Relevanz dieser Zeit und der in ihr entstandenen Kämpfe multimedial diskutiert.
Im Anschluß wird im Foyer Musik aus dieser Zeit aufgelegt:
mit DJ Imran Avata.
24. – 29. Januar 2012
Zwischen Propaganda und Dokument:
Karl Gass, Filmdokumentarist der DDR
»Sicher ist Karl Gass der beste Dokumentarfilmregisseur der DDR, man könnte auch sagen: der einzige gute. Sicher ist er auch der redlichste. Sein endlich herausgekommener Langfilm über eine Brigade Montagearbeiter in der Erdölraffinerie Schwedt (ASSE) wird, wie sein Vorläufer FEIERABEND, wieder denen nicht passen, die mit ihrem zynischen Aufbaugejubel auf die Wirklichkeit pfeifen wollen und auf jene, die sich mitten in dieser Wirklichkeit abrackern müssen. Gass fälscht diese gewöhnliche Wirklichkeit nicht zum interessanten und verwendbaren Stoff, auch nicht zum Lied der Arbeit, sondern beobachtet sie: die Menschlichkeit eines Dokumentarfilms beweist sich nicht in seinen Parolen, sondern in seiner Aufmerksamkeit, und daran läßt es Gass nicht fehlen.«
Helmut Färber, Filmkritik (1966)
Dienstag 24. Januar
20 Uhr
SCHAUT AUF DIESE STADT
DDR 1962 - s/w - 86 Min. - 35mm
Regie Karl Gass
Buch Karl Gass, Karl-Eduard von Schnitzler (Text) Kamera Hans Dumke, Hans-Eberhard Leupold Musik Jean Kurt Forest
»Ihr Völker der Welt. Schaut auf diese Stadt« – Damit macht der Westberliner Oberbürgermeister Ernst Reuter am 9. September 1948 auf das Schicksal seiner Stadt aufmerksam. Dieser viel zitierte Satz wird zum Titel für einen Film über ein Westberlin aus Sicht der DDR. Mit unverkennbarer Ironie sagt nun Karl Gass: »Schaut auf diese Stadt« und zeigt auf alte Reaktionäre, Militaristen und westliche Spionagezentralen. Wer den Zeitgeist des historisch bedeutenden Jahres 1961 kennenlernen will, der auf beiden Seiten mehr das Kalte-Kriegs-Vokabular als sachliche Argumente kannte, kann hier seine östliche Variante besichtigen.
sowie im Vorprogramm:
Kurzdokumentation über Karl Gass (33 Min.)
Mittwoch 25. Januar
Programmänderung!
20 Uhr
EINE DEUTSCHE KARRIERE - RÜCKBLICKE AUF UNSER JAGHRHUNDERT
DDR 1987 - s/w - 111 Min. - 35mm
Wohin der seit Bismarck verbreitete Flottenrausch und die
Allmachtsphantasien, der Traum von der Großmacht Deutschland
führten, veranschaulicht Karl Gass am Lebenslauf des
Großadmirals und Hitlernachfolgers Karl Dönitz (1898-1981).
Seiner Vision einer unbesiegbaren Seeflotte opferte Dönitz
gnadenlos alles und jeden, selbst in aussichtslosen
Kriegssituationen. Vor dem Internationalen Militärtribunal
in Nürnberg angeklagt wegen Verbrechen gegen den Frieden und
das Kriegsrecht, beruft er sich bis zum Schluss auf Moral
und Gewissen: "Ich möchte das genauso wieder tun!" Nach der
Verbüßung seiner lebenslangen Haft findet er wieder Aufnahme
im Kreis alter Kameraden.
Eine spannende Dokumentation, die als informative Ergänzung
zu Wolfgang Petersens Klassiker DAS BOOT aus den 80er
gesehen werden kann.
Donnerstag 26. Januar
20 Uhr
KLAUS G. UND SEINE 100 MÄDEL
DDR 1981 - s/w - 20 Min. - 35mm
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Heinz Schendzielorz Musik Wolfgang Schoor
Porträt von Klaus G., Jahrgang 1942, Abteilungsleiter in einer modernen Fertigungshalle im Gleichrichterwerk Stahnsdorf. Seine Mutter kümmerte sich als Hausfrau um ihn und seine fünf Geschwister, mit dem niedrigen Gehalt des Vaters mußte sich die Familie sehr einschränken. Jetzt leitet er eine Abteilung, in der ausschließlich Frauen arbeiten. Er behandelt sie als vollwertige Mitarbeiter, sie sollen nicht nur angelernte Hilfskräfte sein. Sie sollen möglichst alle Arbeitsgänge ausführen können, und wenn neue Maschinen eintreffen, sind sie bei der Abnahme in der Werkstatt dabei.
ASSE
DDR 1966 - s/w - 75 Min. - 35mm
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Gerhard Münch, Karl Gass, Michael Biegoldt Musik Gerhard Rumpstück
»Asse« sind die Monteure und Schweißer um den Brigadier Herbert Habener, die als Retter in großer Not nach vielem Wenn und Aber nach Schwedt gekommen sind. Zu Beginn finden sie Chaos vor, das sie unter großem Zeitdruck und ungeheurem Engagement bewältigen. Der »Kapitän« Habener koordiniert die Arbeit und schweißt alle zum Team zusammen. Doch wenn Versprechungen der Leitung sich als leer erweisen, dann erwacht Proteststimmung und Habener muß seine Mannschaft beruhigen und von der Arbeitsniederlegung abhalten. In neun Episoden porträtiert Karl Gass leidenschaftlich und fast in Westernmanier die 50 Männer, die auch den Beinamen »Die Habeners« tragen. Von der ungestümen Stimmung her absolut mit den »Ballas« aus SPUR DER STEINE (Regie: Frank Beyer) zu vergleichen.
Samstag 28. Januar
18 Uhr (!)
NATIONALITÄT: DEUTSCH
DDR 1990 - s/w - 93 Min. - 35mm
Regie Karl Gass
Buch Karl Gass, Klaus Wischnewski (Text) Kamera Andreas Bergmann, Peter Milinski Musik Wolfgang Schoor
Eine Schulchronik seit 1919. Albert Linnecke (1889-1954), Lehrer in dem kleinen Dorf Rindtorf in der Altmark, führte nicht nur ein für viele Deutsche exemplarisches, immer den Zeichen der Zeit angepaßtes Leben, sondern hinterließ als Zeugnis seiner Wandelbarkeit eine seit 1919 detaillierte Schulchronik. In ihr berichtet er von bedeutenden und politischen Ereignissen, versehen mit persönlichen Kurznotationen, auch aus späterer Zeit, durch sie ist auch sein pädagogisches Wirken erfahrbar. Manche der Rindtorfer können sich noch an ihre Schulzeit bei Lehrer Linnecke erinnern. Aus dem Off berichten sie von ihren Erinnerungen und geben an mancher Stelle den selbstredenden Beweis ab, daß das Denken des Mitläufertums auch heute noch präsent ist. Da bleibt eine Rechtfertigung besonders lang im Gedächtnis: »Die Rindtorfer haben das so gemacht, weil es eben so war«.
Letztes Filmopus von Regisseur Karl Gass. Bereits im Frühling 1977 gab man ihm bei Dreharbeiten in der Altmark das handgeschriebene Tagebuch. Seitdem wollte er einen Film über diese deutsche Geschichte von unten machen.
Zu Gast: Christel Gass
20 Uhr
Kurzfilmprogramm
TURBINE 1
DDR 1953 - s/w -23 Min. - 35mm
Regie Joop Huisken & Karl Gass
Buch Karl Gass
Die Schnellreparatur einer Turbine des Kraftwerkes Zschornewitz in einer Zeit, »als jedes fehlende Kilowatt zusätzliche Abschaltungen und damit Produktionsverluste und Unzufriedenheit« (Gass) bedeutete. Eine Hymne auf die »Helden der Arbeit«.
VOM ALEX ZUM EISMEER
DDR 1954 - s/w - 22 Min. - 35mm
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Hans Dumke, Gerhard Münch Musik Kurt Grottke
Mit der ROS 206 zum Fischfang von Rostock in die Barentssee: Der berühmte Berliner Alexanderplatz und seine versteckt gelegenen Markthallen sind der Ausgangspunkt für eine kleine filmische Reise, die zeigen will, durch welche harte Arbeit der täglich frische Fisch auf den Mittagstisch kommt. Das Filmteam sticht mit der Mannschaft eines 1000 Tonnen Trawler mit dem unspektakulären Namen ROS 206 in See, genauer gesagt heißt das Ziel Barentssee. Solange das Wetter schön, das Meer sich ruhig zeigt, herrscht gute Laune. Doch als die Filmemacher mit entsprechender Windstärke und eisiger Kälte konfrontiert sind, fallen die ersten Nicht-Seefesten aus. Trotz aller Unbilden: Die »Leichtmatrosen der DEFA«, wie sie sich selbstironisch bezeichnen, helfen mit, als der Fangplatz endlich erreicht ist. Das heißt fünf bis sechs Tage schwerste Arbeit, auch noch in der Stunde, wenn die Mitternachtssonne scheint. Nach der 18-tägigen Fahrt sind nicht nur die Bärte der Reisenden gewachsen, sondern der Zuschauer hat auf amüsante Weise einen guten Eindruck von der Arbeit der Seemänner gewonnen.
FEIERABEND
DDR 1964 - s/w - 27 Min. - 35mm
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Gerhard Münch, Michael Biegholdt Musik Jean Kurt Forest
Die derbe Lebensfreude zwischen Bauwagen und Großbaustelle. Über 1600 Bau- und Montagearbeiter leben im Barackenlager der Großbaustelle Erdölkombinat Schwedt - in der »Taiga«, wie sie selbst dazu sagen. Feierabend, heiß ersehnte kurze Zeit, bevor früh um fünf, noch vor dem Morgengrauen, die Schicht wieder beginnt. Was tun, wenn wenig geboten ist? Ungeschminkte Impressionen, häufig mit Musik wie aus Stummfilmzeiten unterlegt, erzählen davon: Singend im »Macky Messer« auf Normen und Planvorgaben wettern, verschiedene Instrumente (von Saxophon bis Löffel und Nase) zum Besten geben, aber auch Alkoholexzesse in der HO Kantine. Liebevolles und intimes Porträt, in dem der Regisseur die »Filzpantoffelspießer« des Landes auffordert, statt eines vorschnellen Urteils lieber vor der eigenen Haustür zu kehren.
ICKE - ICKE
DDR 1972 - s/w - 9 Min.
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Detlef Tetzke
Faschingsfeier im VEB Glühlampenwerk NARVA Berlin.
Zu Gast: Christel Gass
Sonntag 29. Januar
3. Todestag von Karl Gass (gest. 29.1.2009)
18 Uhr
ICH SCHREIBE
DDR 1971 - s/w - 9 Min. - 35mm
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Peter Milinski
Der Arbeiter Siegried Brandt, Reparaturschlosser im VEB Kombinat Zentronik Büromaschinenwerk Sömmerda schreibt Gedichte. Ein Film über sozialistische Kultur im Geiste des Bitterfelder Weges.
DAS JAHR 1945
DDR 1984 - s/w - 90 Min. - 35mm
Regie Karl Gass
Buch Karl Gass, Klaus Wischnewski (Text) Kamera Dieter Kühne Musik Wolfgang Schoor
Noch im Januar 1945 wird in Berlin die Parole ausgegeben: »Glauben, kämpfen, siegen«, doch bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 werden mehr Menschen sterben als in den fünf Jahren zuvor.
Mit zum großen Teil bis dahin unveröffentlichtem oder auch in Vergessenheit geratenem, internationalem Archivmaterial dokumentiert Regisseur Karl Gass die letzten 128 Tage des Zweiten Weltkriegs. Der Kompilationsfilm zeigt in erschütternden und bis heute erhellenden Bildern die Zerstörung der Städte und die wesentlichen Kriegsschauplätze der Alliierten. Gleichzeitig korrigiert er damit das seinerzeit in der DDR übliche Bild der alleinigen Befreiung durch die Sowjetarmee. Auf Betreiben einiger Fernsehverantwortlicher wurde allerdings das offene Eingeständnis im Kommentar zensiert: »Auch wir Kommunisten tragen eine Teilschuld an der Entwicklung der Geschichte, weil wir die Machtergreifung nicht verhindern konnten«.
»Spannender, klug montierter und kommentierter, um Wahrhaftigkeit bemühter Dokumentarfilm, ... greift ... auch Tabuthemen wie Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten auf.«
filmlexikon.de, 2009
20 Uhr
2 TAGE IM AUGUST
DDR 1982 - s/w - 22 Min. - 35mm
Buch & Regie Karl Gass
Kamera Hermann Ihde Musik Wolfgang Schoor
Während deutsche Städte im Frühjahr 1945 von einer Bombardierung mit Atomwaffen verschont bleiben, kommt es kurz vor der Kapitulation in Japan am 6. und 9. August 1945 zum Abwurf der »perfekten Bombe«. Fast vier Jahrzehnte später wird an diesen beiden Tagen der Neutronenbombenbau durch den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan angeordnet und öffentlich verkündet.
sowie:
Dokumentation über Karl Gass
Mit freundlicher Unterstützung der DEFA-Stiftung, Berlin
Dank an die DEFA-Stiftung: Sabine Söhner; Progress Filmverleih: Dagmar Bingel & Barbara Löblein; Deutsches Rundfunkarchiv: Frau Schneider; Bundesarchiv/Filmarchiv; Waco Wagner (Werkstattkino) & Andreas Rost, München
Besonderer Dank an Christel Gass